Basrur 2.0 Die kleinen Dramen

10.03.2015 17:19

Das „Good afternoon“ ist weit von Einstimmigkeit entfernt, die SchülerInnen fragen nicht ob sie den Klassenraum betreten dürfen und die ‚Englisch Conversational class‘ wird sehr sinnvoll für das vervollständigen der Hausaufgaben genutzt.

In deutschen Klassenräumen alles kein zu großes Drama, aber in der Basrur High School nicht üblich und daher ein Zeichen von Respektlosigkeit- die uns so leider Tag für Tag dort mehr in unseren Stunden entgegenschwappt.

Nicht nur das, einige fangen auch  an mich nachzuäffen und reagieren nicht, wenn ich sie darauf hinweise, dass sie stören oder stehen nicht auf, wenn ich sie zur Tafel gehen sollen. Dazu kommt das in einigen Klassen eine Lautstärke herrscht (kein Wunder wenn 35-50 SchülerInnen gleichzeitig quatschen) gegen die es unglaublich anstrengend ist anzureden.

Das bedeutet im Moment läuft nicht alles so wie geplant. Dazu kommt leider noch, dass nicht nur das Unterrichtenn schwieriger und vor allem anstrengender wird, sondern, dass auch leider bisher keine wirklichen Fortschritte zu sehen sind.

Am Anfang haben wir uns versucht an den Wunsch des Head Teachers zu halten Conversational English zu unterrichten. Jedes Mal haben uns die Schüler aber entweder durch Arbeitsverweigerung oder das Ergebnis der Erarbeitungsphase gezeigt, dass das nicht das ist was sie machen wollen und vor allem können.  Auf unsere Frage in einer Klasse hin, was wir mit ihnen machen sollen, haben wir die Antwort bekommen „question and answer“. Das bedeutet also den gleichen Englischunterricht, den sie im Grunde genommen auch so schon haben. Es gibt einen Text und dazu Fragen, die entweder durch Kreuzchen oder kurze auswendig gelernte Sätze beantwortet werden können. Das Ergebnis dieses Unterrichts ist, dass die Mädels und Jungs zwar viele Vokabeln können und englische Texte oder eine englisch sprechende Person verstehen, aber nicht in der Lage sind selbstständig Sätze zu bilden- und das ist natürlich die erste und wichtigste Voraussetzung von Konversation.

Also habe ich jetzt erstmal beschlossen mit den grundlegenden Grammatiken (Simple present, present progressive und Satzbau) anzufangen, damit sie die vielen Vokabeln, die sie kennen, auch richtig anwenden können. Zum Teil haben die SchülerInnen auch echt großes Interesse und es ist einfach schön zu sehen, wenn sie die Aufgaben, die sie von der Tafel kopieren richtig ausfüllen! Manchmal sind die Lösungen immer noch falsch und beim Sprechen klappt es auch noch nicht auf Anhieb, aber ich möchte auf jeden Fall bis zu den langen Sommerferien, die im April beginnen am Ball bleiben und hoffe, dass es sich bei einigen so einschleift, dass sie es tatsächlich verwenden können!

Was besonders gut funktioniert sind  Spiele, bei denen sie in Gruppen gegeneinander antreten müssen, weil dann alle aufpassen und ihre Aufmerksamtkeit auf die Tafel und somit die Grammatik richten. Sie dabei ruhig zu halten ist gar nicht so einfach vor allem, wenn sie sich dann über gewonnene Punkte freuen! Effektiv wirkt aber sie ihnen wieder wegzunehmen, wenn es allzu laut wird! Somit habe ich auch endlich einmal etwas was ich als Konsequenz aufzeigen und auch wirklich durchsetzen kann. Schließlich bekommen sie von uns keine Noten, wir sind keine offiziellen Lehrer, es gibt keine Hausaufgaben und schlagen tun wir sie natürlich auch nicht. Ob wir dann sagen „Seid leise“ oder es eben nicht tun, das konnte den SchülerInnen ja bislang ziemlich egal sein, vor allem wenn wir uns auch sonst nicht konsequent durchgesetzt haben.

Es ist aber erstaunlich was für eine Wirkung ich erreichen konnte als ich am Anfang der Stunde schlicht darauf geachtet habe, das alle stehen beim Begrüßen und sie gemeinsam „Good afternoon“ sagen- also so wie es eigentlich sein sollte. Außerdem hab ich angefangen die SchülerInnen wieder rauszuschicken wenn sie nicht wie üblich um Erlaubnis bitten, wenn sie den Klassenraum betreten. Diese eigentlichen Kleinigkeiten haben sie am Anfang sehr irritiert und zunächst einmal dafür gesorgt, dass sie besser auf mich gehört haben! Ich hoffe, dass ich mit diesen Veränderungen meines Verhaltens auch weiterhin Erfolg erzielen werde.

Fortsetzung folgt..